Gola del Furlo – die spektakulärste Schlucht der Marken
Türkisblaues Wasser, senkrecht aufragende Felswände und eine jahrtausendealte Römerstraße – die Gola del Furlo in der Region Marken ist eines der eindrucksvollsten Naturwunder Mittelitaliens. Wer die Küste bei Fano verlässt und sich ins Hinterland wagt, wird mit einem Naturschauspiel belohnt, das so manchen UNESCO-Welterbestätten das Wasser reichen kann. Wir waren selbst dort – und nehmen euch mit auf die Entdeckungsreise.
Wo liegt die Furlo-Schlucht?
Die Gola del Furlo befindet sich in der Provinz Pesaro-Urbino, im nördlichen Teil der Region Marken (Marche) in Mittelitalien. Der Metauro, einer der bedeutendsten Flüsse der Marken, hat sich hier über Jahrmillionen tief in den Kalkstein eingegraben – das Ergebnis ist eine der engsten und wildesten Schluchten des Apennins.
Die nächstgrößere Stadt ist Fano an der Adriaküste, von wo aus die Schlucht in etwa 30 bis 40 Minuten Fahrzeit erreichbar ist. Die Route führt dabei zunächst durch das beschauliche Fossombrone und dann dem Fluss Metauro entlang – schon diese Anfahrt ist ein Erlebnis für sich.

Die Schlucht gehört zu den Gemeinden Acqualagna und Fermignano. Der gesamte Bereich steht als Riserva Naturale Statale Gola del Furlo unter Naturschutz – was erklärt, warum sich Fauna und Flora hier in einem außergewöhnlich ursprünglichen Zustand befinden.
Nächster Ort: Acqualagna
Die Panoramastraße zur Gola del Furlo
Die Straße durch die Gola del Furlo – die SS73bis – ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Sie schlängelt sich direkt am Ufer des Metauro entlang, manchmal kaum einen Meter von den Felsen entfernt, dann wieder hoch über dem Wasser.
💬Hinweis
Am engsten Abschnitt der Schlucht wird die Straße einspurig geführt – eine Ampelanlage regelt den Verkehr. Auf Google Maps ist ein Stau verzeichnet, etwas Wartezeit an der Ampel sollte man einkalkulieren – auch wenn fast kein Auto unterwegs ist.
Der Parkplatz befindet sich kurz vor der zweiten Ampel (aus Richtung Fano kommend). Von dort läuft man zu Fuß zurück in Richtung des engsten Schluchtenabschnitts – ideal, um die besten Fotospots in Ruhe zu erkunden, ohne Rücksicht auf den Verkehr.
Die gesamte Panoramastraße ist auch mit dem Fahrrad befahrbar, allerdings sollte man auf den schmalen Abschnitten besonders vorsichtig sein. Der Belag ist gut, die Aussichten spektakulär.
Wanderungen und Aussichtspunkte
Wer die Gola del Furlo wirklich kennenlernen möchte, verlässt das Auto und geht zu Fuß. Es gibt mehrere Wanderwege, die unterschiedliche Perspektiven auf die Schlucht bieten – von der Sohle am Fluss bis zu den Felsvorsprüngen hoch über dem Wasser.
💬Hinweis
Wir sind ehrlicherweise nicht gewandert, viele Wanderer sind aber vom Parkplatz ein Stück unterhalb der Schlucht (noch vor der Ampel) gestartet
Die schönsten Aussichtspunkte im Überblick:
- Aussichtspunkt am Tunnel-Eingang (Römerstraße):
Direkt zugänglich vom Parkplatz, mit freiem Blick auf die Felswände und den türkisblauen Metauro. Einer der meistfotografierten Punkte der gesamten Schlucht. - Felsterrassen oberhalb der Straße:
Wer ein paar Minuten den steilen Trampelpfad hinaufklimmt, wird mit einem Panoramablick über die gesamte Schlucht belohnt – besonders schön in der Abendsonne. - Flussebene am Metauro:
Einige Wanderwege führen direkt ans Wasser. Im Sommer ist hier auch geführt Schwimmen möglich. Das smaragdgrüne Wasser und die enormen Felswände zu beiden Seiten machen diesen Spot besonders atemberaubend. - Die Hügel in Richtung Monte Paganuccio:
Für ambitionierte Wanderer – von hier aus hat man einen grandiosen Überblick über die gesamte Schlucht und das Apennin-Umland. Trittsicherheit erforderlich.
💡Tipp
Die Morgenstunden sind ideal für Wanderungen – weniger Besucher, besseres Licht, und die Schlucht liegt teils noch im Schatten, was die Felsfarben intensiver wirken lässt.
Die Geschichte des Furlo-Tunnels
Einer der faszinierendsten Aspekte der Gola del Furlo ist ihr historisches Erbe. Direkt durch den engsten Felsvorsprung führt der sogenannte Tunnel des Vespasian – ein Zeugnis römischer Ingenieurskunst aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.
Bereits zur Zeit der Römer verlief hier die Via Flaminia, eine der wichtigsten Heerstraßen Roms, die die Hauptstadt mit der Adriaküste verband. Doch der enge Felspass stellte ein ernsthaftes Hindernis dar. Kaiser Vespasian ließ den Fels deshalb durchhauen – per Hand, Hammer und Meißel. Das Ergebnis war ein knapp 40 Meter langer Tunnel, der auch heute noch in Teilen begehbar ist.

Wer durch den Tunnel geht – und das lohnt sich unbedingt – spürt buchstäblich, auf welchem historischen Boden man sich befindet. Die Hackenspuren der römischen Arbeiter sind an manchen Stellen noch sichtbar. Neben dem antiken Tunnel existiert auch ein moderner Tunnel aus dem 19. Jahrhundert, der den Straßenverkehr aufnimmt – ein schöner Kontrast zwischen antikem und modernem Ingenieursgeist.
Interessant: Die Inschrift am Tunnel weist ausdrücklich auf Kaiser Vespasian und das Jahr der Fertigstellung hin. Wer die Schrift entziffern möchte, sollte eine Taschenlampe mitbringen – im Inneren des alten Tunnels ist es dunkel.
Unsere schönsten Fotospots
Als Reisefotografen haben wir die Schlucht bei verschiedenen Lichtverhältnissen erkundet. Hier sind unsere absoluten Lieblingsstellen:
1. Tunnel-Vorplatz (bester All-Rounder)
Vom Parkplatz kommend läuft man an der Leitplanke entlang zurück in Richtung Tunnel. Kurz vor dem Eingang öffnet sich der Blick auf die Schlucht – türkisfarbenes Wasser, Felsen in Ocker und Grau, gesäumt von Sträuchern. Besonders gut zur goldenen Stunde oder bei leichtem Bewölkung, wenn das Licht diffus und weich ist.
2. Auf der Straße selbst (Perspektivwechsel)
An der Ampel wartet man ohnehin – nutzt diese Zeit, um Fotos aus dem Fenster zu machen! Der Blick in die Schlucht hinein, mit der Straße im Vordergrund und den Felsen links und rechts, ergibt ein klassisches Reisefoto.
3. Uferblick vom Fluss (Weitwinkel-Paradies)
Wer die Schlucht von unten fotografieren möchte, geht über einen der kurzen Pfade direkt ans Ufer. Von hier aus wirken die Felswände noch monumentaler. Ein Weitwinkelobjektiv ist ideal – die Wände steigen so steil auf, dass man mit normaler Brennweite kaum alles ins Bild bekommt.
4. Fossombrone und der erste Stopp (Einstimmung)
Schon auf dem Weg zur Schlucht lohnt sich der erste Halt am Metauro bei Fossombrone. Hier ist der Fluss noch ruhig und breit, die Landschaft hügelig und saftig grün. Ein schöner Kontrast zur späteren Dramatik der Schlucht – und ein toller Einstiegsschuss für eine Foto-Story.
Tipps für den Besuch
- Anfahrt von Fano aus:
Einfach dem Metauro flussaufwärts folgen (Richtung Fossombrone). Die Straße ist gut ausgeschildert. Ab Fossombrone wird die Landschaft enger und spannender. - Parken:
Der Hauptparkplatz liegt kurz vor der zweiten Ampel (aus Richtung Fossombrone). Von dort zu Fuß zurück zum Tunnel – ca. 5–10 Minuten Fußweg.
Ein weiterer liegt unterhalb der Schlucht - Einspuriger Bereich: Die Straße am engsten Schluchtenabschnitt wird mit Ampeln geregelt – keine dauerhafte Einbahnstraße, aber zeitweise Einschränkungen. Einfach geduldig warten.
- Beste Reisezeit:
Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober). Im Sommer ist es voll und heiß, im Winter können Nebel die Sicht einschränken. - Tunnel begehbar:
Den alten Römer-Tunnel unbedingt zu Fuß durchqueren – Taschenlampe bzw. Handylampe mitnehmen! - Verpflegung:
In Acqualagna und Fossombrone gibt es gute Restaurants und Bars. Trüffelspezialitäten (die Region um Acqualagna ist berühmt dafür) unbedingt probieren. - Eintritt: Die Schlucht ist frei zugänglich.
Kein Eintritt, kein Ticket. Parkgebühren können je nach Saison und Parkplatz anfallen. - Handy-Empfang:
Im Tal teils eingeschränkt. Offline-Karte (z. B. maps.me oder Google Offline) vorab herunterladen.
Unser Fazit
Die Gola del Furlo ist einer jener Orte, die man nicht vergisst. Die Kombination aus atemberaubender Naturlandschaft, faszinierender Römergeschichte und der fast meditativen Stille abseits der Haupttouristenströme macht die Schlucht zu einem echten Geheimtipp in den Marken – auch wenn sie unter Kennern längst bekannt ist.
Besonders schön ist, dass man die Schlucht in einem halben Tag erkunden kann – ideal als Tagesausflug von Fano, Pesaro oder sogar Rimini. Wer mehr Zeit hat, kombiniert den Besuch mit einem Ausflug nach Urbino, zu den Grotten von Frasassi oder einer Trüffelsuche in Acqualagna.
Bei einer Rundreise durch die Marken gehört die Schlucht auf jeden Fall dazu!
Unser Tipp: Kommt früh, nehmt gutes Schuhwerk mit, ladet die Kamera auf und lasst die Schlucht auf euch wirken. Die Römer haben hier vor 2.000 Jahren Großartiges geschaffen – und die Natur hat ihr Bestes dazugetan.
⭐ Bewertung: 9,5 / 10 – Absolut empfehlenswert!
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